Byzanz

Aus MGM Münzlexikon

Die Liste der Stichwörter ist zwar mit 39 nicht lang, doch für die Metrologie und die Münztypen von Byzanz wertvoll. Es befinden sich darunter auch Stichwörter wie „Jahreszahlen auf Münzen“ und „Monogramm“, die das Gebiet Byzanz nicht ausführlich berühren, doch in die allgemeine Münzgeschichte einordnen.

Aspron trachy

(griechisch „trachea“ = rauh), Stamenon: unter Kaiser Alexios I. Komnenos (1081–1118) 1092 eingeführte schüsselförmige byzantinische Elektron- und Billonmünze. Das Elektronstück galt 1⁄3 Hyperpyron, das Billonstück 1⁄48 Hyperpyron.





Basileus

→ → König



Basilikon

(griech. Basileos = König): byzantinische Silbermünze aus der gemeinsamen Regierungszeit von Andronikos II. und Michael IX. (1295–1320), 1 Basilikon = 1⁄12 → Hyperpyron .





Exagium

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Byzantinisches Exagium zu 12 Skrupel (Scripulum) = 1⁄2 Onkia (Unze) = 13,64 g. Die Kennzeichnung der Gewichtsstufe ist mit der Zahl I – B unten rechts und links vom Kreuz vorhanden. Das Kreuz und die Zahlen (Buchstaben) sind zur besseren Erkennung mit Zinn eingelegt worden.

Antike, byzantinische und mittelalterliche Münzgewichte aus unedlen Metallen (im arabischen Kulturkreis auch aus Glas) in verschiedenen Formen, die im täglichen Zahlungsverkehr ähnliche Funktionen zu erfüllen hatten wie die Münzgewichte des 15. bis 19. Jh. (→ Passiergewicht). Byzantinische Exagia weisen häufig in Silber oder Zinn eingelegte Inschriften oder nur Buchstaben auf, z. B. „N“ für Nomisma (griech. Nomos = Münze) oder „S“ für Solidus.




Follis

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Follis des Kaisers Galerius (293 – 311), geprägt zwischen 306 und 311 in der 3. Offizin ( Γ) der Münzstätte Heraclea (Thrakien)

(lat., Beutel): in der römischen Antike ein Beutel Geld mit zunächst unterschiedlich großem Inhalt, der durch Siegelung gewährleistet wurde. Später ein Beutel mit stets gleichem Inhalt, meist Kleingeld. Davon abgeleitete Bezeichnung für verschiedene Münzen:
1. Weißgesottene Kupfermünze nach der Münzreform (293 – 296) des Kaisers Diocletianus (284 – 305), zunächst mit 27 bis 30 mm Durchmesser und 9 bis 13 g Gewicht, bis 311 auf 20 bis 21 mm Durchmesser und 4 bis 5 g Gewicht abgesunken („reduzierter Follis“). Am Ende der Prägung 345 wog ein F. nur noch rund 1,5 Gramm. Bis zum Jahr 301 galt 1 F. = 12 1⁄2 Denarii communes. Nach dem Erlaß des berühmten Maximaltarifs im Jahr 301 wurde auch das Wertverhältnis geändert, 1 F. galt danach 25 Denarii communes = 1/4 Argenteus.
2. Durch die Reform der byzantinischen Kupferprägung unter Kaiser Anastasios I. (491– 518) geschaffene Kupfermünze im Nominalwert von 40 Nummia. Charakteristisch für diese F. war die große Wertbezeichnung „M“ (= 40) auf der Rs. der Münzen, die über Jahrhunderte beibehalten wurde. Ab dem Jahr 537 wurden die Folles neben dem „M“ mit den Regierungsjahren des Kaisers datiert. Ursprünglich wurden 36 Folles aus dem römischen Pfund Kupfer ausgebracht, was einem Durchschnittsgewicht des F. von 9,1 g entsprach. Diese Folles wurden Terunciani (Drittelunzer) genannt, weil die römische Uncia = 1⁄12 römischen Pfund entsprach. Der Preis des Solidus war 360 Folles zu 40 Nummia = 10 römische Pfund. Doch im Jahr 512 wurde das Gewicht der Kupfermünzen verdoppelt. 1 F. hatte danach ein Gewicht von 1⁄18 römischem Pfund = 18, 19 g. Damit wurde der Solidus mit 20 römischen Pfund Kupfer bewertet. Das Grundgewicht des F. unterlag in der Folgezeit zahlreichen Änderungen. Im 9. Jh., unter Kaiser Theophilos (829 – 842), wechselte auch das Rs.-Bild. Die Wertangabe „M“ wurde – allerdings nicht bei allen Ausgaben – von einem mehrzeiligen Text verdrängt (letzte Folles mit der Wertbezeichnung „M“ unter Kaiser Michael III., der Säufer [842 – 867], aus der Münzstätte Syrakus).

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Byzantinischer Follis der Kaiser Tiberios II. und Konstantinos (578 – 582), Jahr 6 (= 579), 1. Offizin (Α) der Münzstätte Nikomedia. Die Wertzahl M steht für 40 Nummia. Rechts von der Wertzahl gibt die Zahl 6 (in griechischen Buchstaben) das Regierungsjahr von Tiberios II. an.





Hexagramma

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Hexagramma o. J. (632/635). Auf der Vorderseite sind Kaiser Heraklios und sein Sohn Heraklios Konstantinos dargestellt. Auf der Rückseite befindet sich rechts neben dem Stufenkreuz das Monogramm „her“ des Heraklios.

Von Kaiser Heraklios (610 bis 641) im Jahr 615 zur Finanzierung des Kriegs gegen das persische Reich eingeführte byzantinische Silbermünze, eigentlich ein → Miliaresion. Der Name H. entstand, weil die Münze sechs (hexa) gramma (Scripuli) wiegen sollte (= 6,82 g). Das H. entsprach 1⁄12 Solidus, wurde aber mit einem Kurs von 1⁄6 Solidus berechnet. Nach 717 wurde die Münze nicht mehr geprägt. Auf der Rs. dieses Nominals erschien erstmals das Gebet (übersetzt) „Gott, hilf den Römern“.



Histamenon

Stamenon nomisma (griech., Standard[-Münze]): 1. byzantinische Goldmünze, die unter Kaiser Nikephoros II. Phokas (963 – 969) an die Stelle des ursprünglichen Solidus als byzantinische Standardgoldmünze trat. Der Hinweis im Namen der Münze auf den Gewichtsstandard war notwendig geworden, weil unter Nikephoros II. Phokas eine neue Goldmünze (→ Tetarteron ) eingeführt wurde, die leichter als der Solidus war und im Münzfuß zudem laufend verringert wurde. Die Histamena wurden allmählich breiter (bei gleichbleibendem Gewicht dadurch flacher) und schüsselförmig (→ Skyphat ). Ihre Prägung erfolgte bis zur Münzreform von 1092 unter Kaiser Alexios I. Komnenos (1081–1118). allerdings wurden die H. nur im Gewicht standardisiert, nicht im Feingehalt, der ebenfalls sank.
2. Stamenon. Aus der Münzreform des Kaisers Alexios I. Komnenos (1081–1118) vom Jahr 1092 hervorgegangene schüsselförmige Billonmünzen (→ Aspron trachy).




Hyperpyron

(griech., im Feuer hocherprobt [verfeinertes Gold]: 1. byzantinische Goldmünze, die erstmals 1092 unter Kaiser Alexios I. Komnenos (1081–1118) ausgegeben wurde und den Histamenon ersetzte. Das H. mit einer Feinheit von 21 Karat (875⁄1000 fein) ist der letzte byzantinische Goldmünzentyp.
2. Bezeichnung für eine byzantinische Silbermünze, die unter Kaiser Johannes V. (1341–1391) zwischen 1354 und 1379 eingeführt wurde und die faktisch an die Stelle des H. 1. trat, weil unter den späten byzantinischen Kaisern kaum noch Goldmünzen geprägt wurden.







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BYZANZ
Johannes III. Dukas-Vatatzes, 1222-1254, Hyperpyron, 1243

Jahreszahlen auf Münzen

Jahreszahlen auf Münzen.png
Tetradrachmon der Münzstätte Alexandria aus der Regierungszeit des Kaisers Valerianus I. (253 – 260) mit der Jahresabgabe L – ∆ (Jahr 4 = 256/257) rechts und links vom Adler

Auch Datierung: in Münzaufschriften ausgewiesene Prägejahre. J. kommen auf antiken und mittelalterlichen Münzen relativ selten vor; sie wurden erst in der Neuzeit zu einem wesentlichen Bestandteil der Münzlegende. Die ältesten datierten Münzen sind in hellenistischer Zeit geprägt worden und zwar hauptsächlich in vorderasiatischen Diadochen-Reichen. So weisen z. B. zahlreiche Münzen der Seleukiden (Diadochen-Dynastie in Mesopotamien/Syrien, 312 bis 64 v. Chr.) J. nach der seleukidischen Ära (Epoche 312 v. Chr.) auf, die u. a. auch im Parther-Reich (hervorgegangen aus der seleukidischen Satrapie Parthien) und von den Juden gebraucht wurde. Genannt seien weiterhin die nach der pontischen Ära (Epoche 298 v. Chr.) datierten Münzen der Könige von Pontos und von Bithynien (beides Diadochen-Reiche in Kleinasien an der Küste des Schwarzen Meers). Außer J. kommen verschiedentlich Angaben von Regierungsjahren vor, häufig auf Münzen der Ptolemäer (makedonisch-griechisches Herrschergeschlecht in Ägypten, 323 bis 30 v. Chr.). Bei ägyptischen Münzen geht den mittels griechischer Buchstaben bezeichneten Regierungsjahren des jeweiligen römischen Kaisers das Zeichen L voraus (z. B. LΑ = im 1. Regierungsjahr, LΕ = im 5. Regierungsjahr). Diese Datierungsform ist auch für die nachfolgenden → alexandrinischen Münzen charakteristisch. Römische Provinzialmünzen, z. B. aus Syrien, nennen J. nach unterschiedlichen Ären, z. T. noch in Verbindung mit Regierungsjahren.
Münzen der Römischen Republik und der Kaiserzeit (römische Reichsmünzen) sind fast ausnahmslos undatiert. Doch können Münzen der römischen Kaiser zeitlich näher bestimmt werden, wenn die in Münzumschriften aufgeführten Ämter mit Iterationsziffern – Kennzeichnung der wiederholten Übernahme eines Amtes – versehen sind. Dabei bleibt zu beachten, daß zwar das Jahr des Amtes als → Konsul (abgekürzt COS) mit dem Julianischen Kalender übereinstimmte, jedoch nicht jährlich erneuert zu werden brauchte. Andererseits erfolgte die Erneuerung der Gewalt als Volkstribun (tribunicia potestate, abgekürzt TR P, TRIB POT) alljährlich, doch begann ursprünglich das tribunizische Jahr am Tag des Regierungsantritts eines Herrschers und erst seit Kaiser Nerva (96 – 98) stets am 10. Dezember. Die Ausrufung zum → Imperator (abgekürzt IMP), gleichfalls iteriert, war von einzelnen militärischen Erfolgen abhängig. Zu den ganz seltenen Ausnahmefällen datierter römischer Münzen gehört ein unter Kaiser Hadrianus (117–138) in Rom geprägter Aureus mit der Rs.-Umschrift ANN(o) CCCLXXIIII NAT(ali) VRB(is) P(rimum) CIR(censes) CON(stitui oder stituti), übersetzt: Im 874. Geburtsjahr [der Stadt Rom] habe ich [Kaiser Hadrianus] zuerst Zirkusspiele eingerichtet, also im Jahr 121 n. Chr. Auf byzantinischen Kupfermünzen finden sich von Kaiser Justinianus I. (527– 565) an bis Kaiser Konstans II. (641– 668) regelmäßig Regierungsjahre angegeben.
Datierte mittelalterliche Münzen, soweit nicht arabischer Provenienz, bilden seltene Ausnahmen. Unter dem König Alfons VIII. von Kastilien (1158 –1214) wurden zwei Münztypen mit J. nach der in Spanien bis in das 14. Jh. verwendeten Saphar-Ära (Epoche 38 v. Chr., das Jahr der Eroberung der Provinz durch Octavianus) geprägt: Obolus mit der J. 1204 (= 1166 AD), Marabotino mit der J. 1225 (= 1187 AD). Kufische Münzen Siziliens, die Herzog Robert Guiscard von Apulien und Kalabrien (1057–1085) prägen ließ, sind nach der → Hedschra datiert (z. B. 464 AH = 1071 AD); von Kaiser Friedrich II. (1197/1215 –1250) gibt es sizilianische Münzen (Tari) mit zweifacher Datierung (z. B. 595 AH, in kufischer Schrift/1198 AD in lateinischen Zahlzeichen). Aus der Regierungszeit des dänischen Königs Waldemar II. (1202 –1241) ist ein in Lund geprägter Solidus überliefert, der auf der Vs. eine Krone mit der Umschrift ANNO DOMINI und auf der Rs. eine Tiara mit der Umschrift :M:CC:XXXIIII: (= 1234) zeigt.
Die ältesten datierten deutschen Münzen sind Groschen von Reinhard von Schönforst (1369 –1396) und aus der Münzstätte Jungheit vor Aachen von 1372. In Aachen selbst wurden seit 1402 Münzen mit J. geprägt. In europäischen Ländern wurde die Datierung von Münzen im 16. Jh. üblich, z. B. Polen (seit 1506), Frankreich (seit 1532 bzw. 1549), England (seit 1549), Spanien (seit 1589), Rußland (seit 1593). Päpstliche Münzen weisen seit Clemens VII. (1523 –1534) regelmäßig Pontifikatsjahre aus, hingegen J. vereinzelt erst im letzten Drittel des 16. Jh. Im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation erfolgte die Datierung von Münzen während des 16. und 17. Jh. häufig nach der minderen Zahl, so daß im 16. Jh. die beiden ersten Ziffern der betreffenden J. fehlen (z. B. 68 = 1568), im 17. Jh. meist nur die erste Ziffer (z. B. 610 = 1610). Nach der Ära der Französischen Republik (Epoche 22. Sept. 1792; am 1. Januar 1806 abgeschafft) kommen auf französischen Münzen (aus der Zeit der Ersten Republik) die J. (L’AN) I bis 14 vor. Moderne Münzen arabischer Staaten weisen meist J. nach der Hedschra und dem Gregorianischen Kalender auf. → Ära, → Monatsangaben auf Münzen, → Bugslaver

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Römischer Aureus von Kaiser Hadrianus (117– 138), in dessen Rückseiten-Umschrift die Jahreszahl 874 (nach der Gründung Roms) angegeben ist


Jahreszahlen auf Münzen Bild 3.png
Aachener Groschen aus der Münzstätte Jungheit mit der Jahreszahl MCCCLIIII (= 1374) in der äußeren Umschrift der Rückseite


Jahreszahlen auf Münzen Bild 4.png
Schweden, Sten Sture der Ältere (1470 – 1497, 1501 – 1503), Örtug 1478, die erste datierte schwedische Münze





Kreuz

(lat. crux): bereits in vorgeschichtlicher Zeit in verschiedenen Kulturkreisen verwendetes ornamentales und symbolisches Zeichen aus meist zwei sich schneidenden Geraden, seit dem 3. Jh. als christliches Sinnbild bezeugt. Seit Kaiser Konstantin I. (306/324 – 337), der das Christentum 313 staatlich anerkannte, erscheint das Kreuz auf römischen und später byzantinischen Münzen als alleiniges Münzbild und Beizeichen im Feld, in der Hand des Herrschers sowie der Siegesgöttin Victoria (→ Nike), auf dem Globus usw.; Darstellungen des Kreuzes finden sich gleichfalls auf germanischen Münzen der Völkerwanderungszeit, überaus häufig auf mittelalterlichen Münzen, vor allem seit Karl d. Gr. (768/800 – 814) und vielfach noch auf neuzeitlichen Münzen und Medaillen. Mittelalterliche Münzen bilden häufig Kreuze ab, in deren Winkeln sich Kugeln, Kreuzchen oder andere Zeichen bzw. Buchstaben befinden, z. B. O–T–T–O auf Otto-Adelheid-Pfennigen, C–R–V–X auf Pfennigen des Grafen Heinrich von Stade (976–1016); zudem dient das Kreuz oft als Anfangs- oder Trennungszeichen in Münzumschriften. Bei Einführung des Christentums als Staatsreligion im Römischen Reich (391) wurden folgende Kreuz-Formen verwendet: das ungleichschenklige lateinische oder Passions-Kreuz (senkrechter Balken länger als Querbalken), das gleichschenklige griechische Kreuz (senkrechter Balken und Querbalken in gleicher Länge) und das T-förmige ägyptische Kreuz (→ Antonius-Kreuz). Ableitungen des lateinischen Kreuzes sind das → Stufenkreuz (Kreuz mit Stufenuntersatz), das → Patriarchenkreuz mit zwei und das → päpstliche Kreuz mit drei unterschiedlich langen Querbalken sowie das → Peterskreuz (Querbalken unterhalb der Mitte des senkrechten Balkens). Alle übrigen Kreuz- Formen lassen sich auf das griechische Kreuz zurückführen, das (ohne jegliche Verzierung) vom 9. bis 12. Jh. auf Münzen am häufigsten abgebildet ist. In der Heraldik kommen mehr als 200 unterschiedliche Kreuze als Wappenbilder vor, deren Bezeichnung auch bei Beschreibung von Münzbildern Anwendung finden. Neben den genannten Kreuzen sind folgende Formen von besonderem numismatischem Interesse: → Astkreuz, → Blumenkreuz, → Jerusalemkreuz, → Kleeblattkreuz, → Krückenkreuz, → Lilienkreuz, → Malteserkreuz, → Zwillingsfadenkreuz. Das auf Tiroler Kreuzern (→ Etschkreuzer) erstmalig vorkommende Doppel-Kreuz besteht aus zwei unterschiedlich großen griechischen Kreuzen; auch das sechsspeichige Rad, Wappenbild von Kurmainz, ist ursprünglich ein Doppel-K., das später mit einem Reifen (Glorienschein) umgeben wurde.



Lateinisches Kreuz

Passionskreuz: Kreuz mit einem Querbalken, der oben drei gleichlange Arme entstehen läßt, die kürzer sind als der untere Teil des Kreuzstammes. Auf römischen, byzantinischen, mittelalterlichen und neuzeitlichen Münzen häufig abgebildet.



Liton

(Plural Lita): Name des 12-Nummia-Stücks (Dodekanummion) in Alexandria in byzantinischer Zeit.




Miliaresion

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Konstantin VII. Porphyrogenetos und Romanos I. Lecapenos (920 – 944), Miliaresion o. J. (921 bis 931)

1. Byzantinische Silbermünze, die unter Kaiser Leon III. (717–741) im Jahr 720 als Nachfolgemünze für das Hexagrammon eingeführt wurde. Sie war mit rund 2 g leichter als das spätrömische Miliarense. Unter Justinianus I. (527– 565) entfielen 12 M. auf den Solidus. Gepräge: Vs. sechs Zeilen Schrift, Rs. Stufenkreuz. Im 11. Jh. erscheinen die Mutter Gottes, Christus oder der stehende Kaiser auf den Münzen. 2. → Miliarense




Minimus

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Minimus mit Kantenlängen von nur 10,5 mm nach dem Vorbild eines Antoninian des Kaisers Tetricus I. (270 – 273)

(lat., der Kleinste): 1. Barbarisierte germanische (angelsächsische) Nachprägung spätrömischer Bronzemünzen vor allem in Britannien im 4. bis in das 7. Jh. Gegenüber den römischen Vorlagen waren die Minimi jedoch im Durchmesser und damit Gewicht (bis 0,2 g) extrem reduziert, so daß ihnen im 20. Jh. der Name Minimus beigelegt wurde.
2. Moderne Bezeichnung in der numismatischen Literatur für den byzantinischen Nummus als kleinste Kupfermünze des 5./6. Jahrhunderts. Wolfgang Hahn („Moneta Imperii Byzantinii“, Band 1) gibt den Minimus als Münzfuß 1⁄288 Pfund (= 1,13 g) an.





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RÖMER
Tetricus II., 273-274, Minimus,

Monogramm

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Das verschlungene Monogramm EFC für Ernst Friedrich Carl von Sachsen-Hildburghausen ( 1745 – 1780) auf der Vorderseite eines Kriegssechstels von 1758

Aus großen, zusammengezogenen bzw. verschränkten Buchstaben gebildetes Namenszeichen. Monogramme erscheinen schon auf griechischen und römischen Münzen für Münzstätten, Münzbeamte und Herrscher. Während der Zeit der Völkerwanderung (etwa 300 – 600) ließen ostgotische, burgundische und westgotische Könige nach dem Vorbild byzantinischer Kaiser Goldmünzen mit Monogrammen prägen. Unter den Karolingern wurde dem Monogramm das gesamte Feld der Rs. der Münzen (Denare) eingeräumt; nach Karl dem Großen (768/800 – 814) kommen Münzen mit Monogrammen nur noch vereinzelt vor. Seit der zweiten Hälfte des 17. Jh. kam das Monogramm auf Münzen deutscher Herrscher wieder zur Geltung und erlebte eine kalligrafische Blüte. Durch völlige Verschachtelung der Buchstaben des Monogramms konnte aber auch bezweckt werden, den Herrschernamen zu verschleiern, wie bei den im Siebenjährigen Krieg (1756 –1763) geprägten unterwertigen → Kriegssechsteln. In der Regel kennzeichnen Künstler ihre Werke mit einem Monogramm oder dem vollen Namen. Künstlersignaturen finden sich auf den meisten Medaillen, wobei von einigen Künstlern nur ihre Monogramme bekannt sind (deshalb als Monogrammisten bezeichnet). Eine einmalige Zusammenstellung von rund 6000 Monogrammen bietet das Werk von Otto F. Flämig, Monogramme auf Münzen, Medaillen, Marken, Zeichen und Urkunden. Regenstauf 2003.

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Das verschlungene Monogramm WA für Wenzel Anton von Kaunitz als Graf von Rietberg (1746 – 1794) auf der Vorderseite eines 2-Pfennig-Stücks 1706




Nomisma

(von griech. Nomos): 1. Antiker griechischer Ausdruck für Münze bzw. Geld allgemein. 2. Im Byzantinischen Reich Bezeichnung für den Solidus.





Notgeld

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Eine sehr frühe byzantinische Blei-Notmünze zu 3 Folles (Wertzahl Γ = 3), die nach dem Erdbeben vom November 528 in der Münzstätte Theoupolis geprägt worden ist

Ursprünglich Münzen, die bei akutem Kleingeldmangel in besonderen Situationen (Krieg, Belagerungen, → Belagerungsmünze ) ausgegeben wurden, wobei auch für Münzen eher ungewöhnliche Materialien, wie Pappe, Leder, Holz, Glas, Preßkohle, Seide, Leinen, verwendet wurde, auch das Kapselgeld (→ Briefmarken-Notmünze ) und Steinzeug-Münzen gehören zum Notgeld. Die britischen → Token des 17. bis 19. Jh. z. B. wurden von Firmen und kleinen Händlern ausgegeben, weil der Staat seiner Verpflichtung zur Ausgabe von kleineren Münznominalen über Jahrzehnte nicht nachgekommen ist. Auch die französischen Medailles und Billets de confiance 1791/92 gehören zum Notgeld. Frühe Notmünzen aus Leder sollen schon 1240 bei der Belagerung von Faenza benutzt worden sein. Beispiele für Notgeld aus der Taler-Zeit sind die Belagerungsklippen und -münzen des 16. bis 18. Jh., die Notmünzen von Mainz 1793 aus Glockenmetall (→ Jäckelier) u. a. (sie gehören zur besonderen Gruppe der Belagerungsmünzen). Frühes Papier-Notgeld ist von der Belagerung der Festung Alhama (Spanien) 1483, Kolberg 1807 und Erfurt 1813 bekannt. Während und nach dem Ersten Weltkrieg wurde Metall- und dann auch Papier-Notgeld in Deutschland von Institutionen, Körperschaften und Firmen in bis dahin unbekannten Ausmaß emittiert. Die deutsche Geldgeschichte kennt aus dieser Periode verschiedene Phasen der Notgeld-Emission:
1. echter Kleingeldmangel 1914 bis 1916 (Ausgabe von Kleingeldscheinen), 1916 bis 1918 sowie 1919/20 mit der Ausgabe vor allem von Hart-Notgeld und Kleingeldscheinen in den Nominalen von 5 Pfennig bis zu 1 Mark durch Länder, Kreise, Städte und Gemeinden (die sogenannten amtlichen Ausgaben), daneben gab es zahlreiche Emissionen von privater Seite,
2. Großgeldscheine über 50 und 100 Mark 1918/19,
3. Großgeldscheine zwischen 100 und 1000 Mark bis Winter 1922,
4. im Frühjahr 1923 bis 10 000 Mark, im Sommer 1923 über 50 000 bis in die Billionen Mark. Danach erfolgte die Einführung der → Rentenmark. Auch die → Serienscheine kannman – mit Einschränkungen – zum Notgeld zählen.
Eine besondere Form des Notgelds stellen Zinsscheine von Staatsanleihen dar, die in Höhe der ausgeschriebenen Zinsen als Zahlungsmittel dienen. Schließlich ist das Wertbeständige Notgeld zu nennen, das in der deutschen Inflation von 1922/23 eine Werteinheit von 1,05 Mark Gold gleich 1⁄4 US-Dollar setzte, ebenso kleine Schatzanweisungen über 0,42 Mark Gold = 1⁄10 US-Dollar, die bis 2. September 1935 (also nach zwölf Jahren) mit einem Aufgeld von 70% rückzahlbar sein sollten. Das wertbeständige Notgeld sollte zur Stabilisierung der Währung beitragen. Das deutsche Hart-Notgeld und das Papier-Notgeld aus der Zeit während und nach dem Ersten Weltkrieg stellen beliebte Sammelgebiete dar, die auch durch Kataloge gut dokumentiert sind.

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Amtliches Notgeld des Bezirksamts Laufen über „Eine Notmark“ 1918


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Privates Notgeld zu 10 Pfennig der „Concordia Spinnerei und Weberei“ in Bunzlau (Schlesien)


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Notgeld, Kleingeldschein der Stadt Brieg (Schlesien) über 50 Pfennig 1921


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Notgeld, Geldersatzschein des Giroverbands für Ost- und Westpreußen in Königsberg über 10 Millionen Mark vom 22. August 1923, überdruckt mit der neuen Wertangabe 100 Milliarden Mark (Abb. verkleinert)




Nummus

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Justinianus I. (527 – 565), Oktonummion nach 538 aus der Münzstätte Thessalonike, auf der Rückseite die große Wertzahl H = 8 Nummia

1. Ursprünglich allgemeiner Ausdruck für Münze (Nummus argenteus = Silbergeld), dann Bezeichnung für den römischen → Sesterz, auch in dessen Eigenschaft als Rechnungsmünze.
2. Kleinste Münzeinheit des spätrömischen bzw. byzantinischen Münzwesens im 5. und 6. Jh. Der Nummus entsprach darin dem halben Centenionalis. Ein erhaltener Solidus-Kurs vom Jahr 445 nennt die Zahl von 7000 Nummi für den Solidus im Ankauf und 7200 Nummi im Verkauf. Auch unter Kaiser Justinianus I. (527 bis 565) wurde der Solidus auf 7200 Nummia festgelegt, nachdem der Solidus im Jahr 498 einen Kurs von 16 800 Nummia erreicht hatte. Die Mehrfachwerte des N. wurden mit den Buchstaben des griechischen Alphabets als Wertzahlen versehen: Β = 2 Nummia Γ = 3 Nummia ∆ = 4 Nummia Ε = 5 Nummia S = 6 Nummia Η = 8 Nummia Ι = 10 Nummia = Viertelfollis ΙΒ = 12 Nummia ΙS = 16 Nummia Κ = 20 Nummia = Halbfollis Λ = 30 Nummia ΛΓ = 33 Nummia Μ = 40 Nummia = 1 Follis Es gibt jedoch auch die Wertangabe für die westlichen Reichsteile in römischen Buchstaben V = 5, X = 10, XX = 20, XXX = 30 und XXXX = 40 Nummi (1 Follis).
3. Auf neuzeitlichen Münzen bedeutet Nummus allgemein Geld (Münze), so beispielsweise das NVMMVS CLIVENSIS auf den Kleinmünzen (Doppelheller bis zum Halbstüber zu 10 Heller) des Herzogs Johann Wilhelm von Jülich-Cleve-Berg (1592 –1609) und der Halbstüber-, Stüber- und 3-Stüber-Stücke der Possidierenden Fürsten ab 1609.

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Phokas und Heraklios Konstantin (613 bis 641), Halbfollis um 621 bis 629, auf der Rückseite die Wertzahl XX (= 20 Nummia ), Münzstätte Karthago






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VÖLKERWANDERUNG
Thrasamund, 496-523, Nummus,

OB

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Byzanz, Theodosius II. (402 – 450), Solidus mit CONOB im Abschnitt der Rückseite

Abkürzung auf spätrömischen und byzantinischen Münzen für „Obryziacus“ (svw. „Stück aus geläutertem Gold“), also Feingold der damaligen Zeit. Gleichzeitig bedeutet „OB“ als griechisches Zahlzeichen „72“ und das war seit Kaiser Constantinus I. der Münzfuß der Solidi (72 Solidi mußten aus dem römischen Pfund ausgebracht werden). So ist auf römischen Solidi auch die römische Zahl „LXXII“ nachgewiesen, was ebenfalls „72“ bedeutet. Meistens sind die Buchstaben „OB“ im Abschnitt der Rs. dem abgekürzten Münzstättennamen unmittelbar nachgestellt, also z. B. CONOB (CON für Constantinopel) plus OB.




Officina

Werkstatt einer antiken römischen und auch byzantinischen Münzstätte. Auf den spätrömischen und byzantinischen Münzen ist die betreffende Officina auch auf der Münze ausgewiesen, z. B. mit den Buchstaben „P“ = Prima (die erste), „S“ = Secunda (die zweite), „T“ = Tertia (die dritte) usw. Große Münzstätten hatten zwischen zehn und 20 Officinae, denen als Leiter jeweils ein Officinator vorstand.



Papst

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Kirchenstaat, Denaro mit den Monogrammen von Papst Leo IV. und Kaiser Lothar (847 – 855)

(von lat. papa = Vater): Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche und nach deren Lehre Nachfolger des Apostels Petrus. Seit Gründung des Kirchenstaats (Stato Pontifico) im Jahr 754 (Pippinsche Schenkung), der 1870 im vereinten Italien aufging, und erneut seit 1929 – Errichtung des Vatikanstaats (Stato della Città del Vaticano) – ist der P. auch weltlicher Herrscher. Als erster Papst ließ Gregor III. (731– 741) eine Silbermünze zu 30 Nummia (1 ⁄8 Siliqua) mit dem Brustbild des byzantinischen Kaisers Leo III. prägen (Rs. Monogramm). Auch die nachfolgenden Päpste Zacharias (741– 752), Stephan III. (752 bis 757), Paul I. (757– 767) und Stephan IV. (768 – 772) gaben dieses Münznominal mit wechselnden Monogrammen und dem Kaiserbrustbild (Konstantin V.) aus. Unter Hadrian I. (772 – 795) wurde ein silberner Pfennig (Denar) ausgegeben, denen Gemeinschaftsprägungen von Päpsten und Kaisern bis zum Tod Benedikts VII. und Ottos II. (983) folgten; auch von Leo IX. (1049 –1054) und Kaiser Heinrich III. (1039 –1056) gibt es noch solche Stücke. Die ältesten P.-Münzen werden als Denarii antiquiores bezeichnet. Vom 12. bis 13. Jh. gibt es nur Münzen des Senats von Rom (auch der Tribun Cola di Rienzo ließ 1347 einen Denaro Provosino schlagen), keine päpstlichen.
Erst unter Bonifaz VIII. (1294 –1303) wurde die päpstliche Münzprägung wieder aufgenommen (Münzstätte Pont de Sorgues in der südfranzösischen Grafschaft Venaissin). Rom begegnet uns erneut als päpstliche Münzstätte unter Urban V. (1362 –1370) noch vor der Beendigung des Exils der Päpste in Avignon (1377). Während des Schismas, Spaltung der kirchlichen Einheit von 1378 bis 1417, ließen Päpste in Rom und Gegenpäpste in Avignon (seit 1352 päpstliche Münzstätte) Münzen prägen. Im Kirchenstaat waren insgesamt 34 (italienische) Münzstätten tätig gewesen, davon nach 1700 noch Ancona, Ascoli, Bologna, Civitavecchia, Fano, Fermo, Ferrara, Foligno, Gubbio, Macerata, Matelica, Montalto, Pergola, Perugia, Rom (bis 1870), Ravenna, Spoleto, San Severino, Terni, Tivoli, Urbino und Viterbo.
Ein einheitliches Münzwesen bestand im Kirchenstaat nicht. Unter Benedikt XIV. (1740 –1758) gab es folgende Währungssysteme:
Rom, Gubbio, Ravenna – 5 Quattrini = 1 Baiocco; 30 Baiocchi = 6 Grossi = 4 Carlini = 3 Giulii (Paoli) = 1 Testone; 100 Baiocchi = 1 Scudo; 300 Baiocchi = 30 Paoli = 1 Doppia (5,4 g Gold), 1 Zecchino (3,4 g Gold);
Bologna – 6 Quattrini = 1 Bolognino; 12 Bolognini = 1 Giulio = 1 Bianco, 80 bis 108 Bolognini = 1 Scudo;
Ferrara – 6 Quattrini = 1 Baiocco.
1866 wurde im Kirchenstaat eine dezimal unterteilte Währung eingeführt, 100 Centesimi = 20 Soldi = 1 Lira. Die Münzprägung im Kirchenstaat unter mehr als 100 Päpsten endete unter Pius IX. (1846 – 1878) im Jahr 1870 mit der Ausgabe von 100-Lire- (1869), 50-Lire- und 20-Lire-Stücken in Gold sowie 5- und 2-Lire-Stücken in Silber.
Die ersten Münzen des Vatikanstaats wurden unter Pius XI. (1922 –1939) 1929 geprägt: 100 Lire (Gold), 10 und 5 Lire (Silber), 2 Lire, 1 Lira, 50 und 20 Centesimi (Nickel), 10 und 5 Centesimi in Bronze.
Augrund bestehender Verträge zwischen Italien und dem Vatikanstaat wurde im Jahr 2002 auch im Vatikanstaat die EuroWährung eingeführt, obwohl er kein Mitglied der Europäischen Union ist. Da das Prägevolumen des Vatikanstaats vertraglich eng limitiert ist, zählen seine Euro-Ausgaben, vor allem die Kursmünzensätze, zu den von Sammlern sehr gesuchten Objekten mit entsprechend hohen Preisen. Münzen des Vatikanstaats sind in Italien gesetzliches Zahlungsmittel. → Namenszahl, → Sedisvakanzmünzen, → Pontifex maximus

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Kirchenstaat, Pius IX. (1866 – 1870), 100 Lire 1869




Patriarchenkreuz

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Patriarchenkreuz auf der Rückseite eines englischen Pennys der Wikinger in Northumbria (895 – 902)

Kreuz mit zwei unterschiedlich langen Querbalken. Das Patriarchenkreuz findet sich häufig auf byzantinischen Münzen in der Hand des Kaisers, als → Stufenkreuz auf der Rs. von Solidi. Auch päpstliche Münzen bilden verschiedentlich das Patriarchenkreuz ab, z. B. ein Quattrino o. J. Pius’ II. (1458 –1464) oder ein halber Baiocco Pauls V. (1605 –1621) von 1611.




Pentanummion

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Pentanummion (Rückseite) aus der Regierungszeit von Kaiser Justinianus I. (527– 565) mit der Wertzahl Epsilon (= 5). Rechts davon das Γ (= Gamma) kennzeichnet die Offizin der Münzstätte Konstantinopel, in der die Münze geprägt wurde.

(griech., fünf Nummia): mit der Münzreform von Kaiser Anastasios I. (491– 518) eingeführtes byzantinisches 5-Nummia-Stück, das als Wertzahl 5 ein griechisches E (Epsilon), in einigen Münzstätten des westlichen Reichsteils auch ein V aufweist. Geprägt wurde das Pentanummion bis in das 7. Jahrhundert.





Politikon

Benennung byzantinischer Kupfer- und Silbermünzen des 14. Jh. nach der auf ihnen vorhandenen wortgleichen Aufschrift.




Römische Münzen

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Römische Didrachme vom Typ Mars/ Pferdekopf, geprägt um 280 – 272, Münzstätte Metapont

Korpus der Münzen der Römischen Republik und Kaiserzeit. Vor der Einführung des Münzgelds dienten den Völkern Mittelitaliens als Tauschmittel gewogene Bronze-Gußklumpen (→ Aes rude). Die Geschichte des römischen Münzwesens begann im frühen 3. Jh. v. Chr. mit Emissionen gegossener rechteckiger Bronzebarren (→ Aes signatum), gegossener runder Großbronzen (→ Aes grave) sowie geprägter Silber- und Bronzemünzen nach kampanischem Vorbild. Wahrscheinlich kamen die Aes-signatum-Stücke, von denen es verschiedene Typen gibt (z. B. Adler/Pegasus, Elefant/Muttersau, Dreizack/Botenstab) und deren Höchstgewicht etwa 1600 g beträgt, am Ende des Ersten Punischen Kriegs (264 bis 241 v. Chr.) außer Gebrauch. Die Einheit der Aes-grave-Reihen mit Stücken in mehreren Wertstufen bildete der As, der bei stadtrömischen Emissionen anfangs dem Gewicht eines römischen Pfunds, der Libra zu 327,45 g, entsprach. Im Verlaufe des 3. Jh. v. Chr. erfolgten wiederholt Reduktionen des As-Standards. Ab dem Sextantal-Fuß (ein As wog dann nur noch 1⁄6 Pfund (Libra) und dem Uncial-Fuß (1 As im Gewicht = 1 Uncia = 1⁄12 Pfund = 27,287 g) wurden die As-Münzen nicht mehr gegossen, sondern geprägt.
Bei den ältesten römischen Silbermünzen, die nach kampanischem Vorbild in Metapont geprägt worden sind, handelt es sich fast ausschließlich um Didrachmen (nummi), die folgende vier Typen, jeweils mit der Legende ROMANO versehen, bilden: Mars/Pferdekopf (7,52 g), Apollo/Pferd (7,10 g), Hercules/Wölfin mit Romulus und Remus (6,97 g), Roma/Victoria (6,55 g). Um 235 v. Chr. kam ein neuer Typ der Didrachmen – Ianus/Iuppiter in Quadriga, Legende ROMA – zu 6,82 g in Umlauf, nach seinem Rs.-Bild als Quadrigatus bezeichnet. In Süditalien kursierten Bronzemünzen zu 1 und 1⁄2 Litra (1 Didrachme = 10 Litren). Während des zweiten Punischen Kriegs (218 bis 201 v. Chr.), wahrscheinlich zwischen 213 und 211 v. Chr., wurden neue Silbermünzen eingeführt, und zwar als Halbquadrigatus der Victoriat (3,41 g), bezeichnet nach seinem Standardtyp Iuppiter/Victoria, eine Trophäe bekränzend, sowie an Stelle der Nummi und Quadrigati 211 v. Chr. der Denar zu 1⁄72 Pfund = 4,55 g (sinkt jedoch noch vor 200 v. Chr. auf 1⁄84 Pfund = 3,98 g), Typ Roma/Dioskuren, Legende ROMA, Wertzeichen X (= 10 Asses). Seine Teilstücke waren der Quinar mit Wertzeichen V (= 5 Asses) und der Sesterz mit Wertzeichen IIS (= 2 1⁄2 Asses) im Gewicht von 1 Scripulum = 1,137 g, als Rechnungsmünze in Silber nur wenig ausgeprägt (in der Kaiserzeit war er dann die dominierende Messing- bzw. Bronzemünze, in der auch große Summen ausgedrückt wurden). Der Denar blieb über 400 Jahre Hauptsilbermünze im Römischen Reich. Die im Gewicht stark herabgesetzten Schwergeldreihen (Aes grave) wurden durch Bronzeprägungen im Sextantal-Fuß (1 As im Gewicht von 1⁄6 Pfund = 54,575 g ab 211 v. Chr. abgelöst.
Erste Goldmünzenemissionen, Statere und Halbstatere, mit dem Gepräge Ianus-Kopf/Schwurszene, erfolgten 216 v. Chr. Nach der Einführung des Denars wurden auch Goldmünzen – Mars/Adler – zu 60, 40 und 20 Asses (3,41 g, 2,27 g und 1,14 g) ausgegeben. Die Prägung des Aureus wurde 84/83 v. Chr. von Lucius Cornelius Sulla (138 –78 v. Chr.) im Gewicht von 1⁄30 Pfund = 10,92 g aufgenommen, doch erst unter Iulius Caesar (100 – 44 v. Chr.) begann ab 46 v. Chr. die massenhafte Ausbringung dieser Goldmünze (mit erbeutetem gallischem Gold), jetzt im Gewicht von 1⁄40 Pfund = 8,19 g. Der Aureus entsprach 25 Denaren. Weitere Münznominale der Römischen Republik siehe unter den einzelnen Stichwörtern: Bes, Decussis, Dextans, Dodrans, Dupondius, Quadrans, Quartuncia, Quincunx, Quincussis, Semuncia, Sextans, Tressis, Triens und Uncia.
Nach dem endgültigen Sieg Roms über Karthago und den Achaeischen Bund (146 v. Chr.) erfuhr das vorher aus handelspolitischen Gründen relativ konstant gehaltene Münzbild wesentliche Veränderungen. Die Münzbeamten, deren Name schon seit langem auf den Münzen ausgewiesen worden waren, wählten nunmehr Bildmotive, mit denen die Bedeutung ihrer Familien und die Taten ihrer Vorgänger gewürdigt werden sollten. Früher bezeichnete man diese Prägungen als → Familienmünzen; in Münzkatalogen sind sie häufig alphabetisch nach den Namen der Münzbeamten und nicht chronologisch angeordnet. Auf römisch-republikanischen Münzen kommt als Bildnis eines Lebenden erstmals das von Caesar vor; so zeigt die Vs. eines um 44 v. Chr. geprägten Denars des Münzbeamten M. Mettius das mit einem Kranz geschmückte Kopfbild von Caesar, Umschrift IMPER(ator) CAESAR, auf der Rs. ist die Siegesgöttin Venus Victrix abgebildet, Umschrift MMETTIVS. In der römischen Kaiserzeit (27 v. Chr. bis 476 n. Chr.) wurden Reichsmünzen aus Gold, Silber, Messing und Kupfer/Bronze (aes) geprägt. Auf der Vs. dieser Münzen erscheint in der Regel das Porträt des Kaisers oder eines Angehörigen des Herrscherhauses, während die Rs.-Bilder in erster Linie der politischen Propaganda dienten bzw. die Staatsreligion manifestierten. Kennzeichnend für die römische Währung der frühen Kaiserzeit ist folgender Nominalaufbau:
1 Aureus (Gold) = 25 Denare
1 Denar (Silber) = 16 Asses
1 Sesterz (Messing) = 4 Asses
1 Dupondius (Bronze) = 2 Asses
1 As (Bronze) = 2 Semis
1 Semis (Bronze) = 2 Quadrantes
Die kleinste Münze der Nominalreihe war in der frühen Kaiserzeit der Quadrans, der aber nur selten ausgebracht wurde. Das Halbstück des Aureus und des Denars war der Quinar (quinarius aureus, quinarius argenteus). Unter Kaiser Nero (54 – 68) wurden der Aureus von 1⁄40 und 1⁄45 und der Denar von 1⁄84 auf 1⁄96 des römischen Pfunds reduziert. Die Mehrfachstücke des Aureus vom Binio (Doppelaureus) bis zum Octonio (achtfacher Aureus) waren keine Prägungen für den allgemeinen Zahlungsverkehr, sondern Donative.
Wirtschaftliche und politische Krisen führten in der Folgezeit zu schweren Erschütterungen des römischen Münzwesens. Die Münzreform des Kaisers Caracalla (211– 217) war mit der Einführung eines neuen Nominals, des Antoninianus (der Name ist eine moderne Sammlerbezeichnung; → Bicharactus), eine Silbermünze im Wert eines Doppeldenars, verbunden, die jedoch gewichtsmäßig nur 1 1⁄2 bis 1 1⁄4 Denaren entsprach und innerhalb weniger Jahrzehnte zu einer Billonmünze herabsank. Auch der Aureus im inneren Wert von 1⁄45 auf 1⁄50 des römischen Pfunds verringert. Kaiser Aurelianus (270 – 275) unternahm den Versuch, die einzelnen Nominale wieder zu einem festen Standard ausbringen zu lassen. Durch die Münzreform des Kaisers Diocletianus (284 – 305) wurden 294 als neue Silbermünzen der Argenteus (die Prägung wurde schon 312 wieder eingestellt) und dessen extrem seltenes Halbstück sowie als neue Bronzemünze der Follis (das war aber nicht der zeitgenössische Name) eingeführt. Das Gewicht des Aureus ging auf 1⁄60, später auf 1⁄70 des römischen Pfunds zurück. Die wichtige währungspolitische Maßnahme, die Kaiser Constantinus I. (306/324 – 337) im Jahr 309 zunächst in seinem Reichsteil einleitete, betraf die Ablösung des Aureus durch den Solidus zu 4,548 g (= 1⁄72 des römischen Pfunds), der seit 324 im gesamten Reichsgebiet zur Geltung gelangte und die Grundlage des spätrömischen und dann des byzantinischen Münzwesens blieb. Geprägt wurden auch Teile des Solidus’, das Halbstück (Semis) und vor allem dessen Drittel, der Tremissis, sowie Mehrfachsolidi, sogenannte Goldmedaillons. In der Zeit der constantinischen Dynastie kam es zur Prägung neuer Silbermünzen: einer leichten Miliarense (zu 1⁄72 des römischen Pfunds = 4,548 g) und einer schweren Miliarense (zu 1⁄60 des römischen Pfunds = 5,457 g). Ab etwa 355 begann die Prägung einer im Wert stark herabgesetzten Siliqua (= 1⁄144 des römischen Pfunds = 2,274 g). Das Durchschnittsgewicht des Follis verringerte sich im Zeitraum 310 bis 335 von 5,20 g auf 1,50 g. An die Stelle dieser Münze trat 346 eine wiederum versilberte Aes-Münze, die als Maiorina bezeichnet wird. Deren Halbstück im Gewicht zwischen 2 und 3 g war der Centenionalis. Da die zeitgenössischen Namen der Bronzemünzen ab der Mitte des 4. Jh. nicht sicher bekannt sind, werden sie in der numismatischen Literatur auch häufig – nach den Durchmessern geordnet – als → AE-1 bis AE-4 bezeichnet. Nach der endgültigen Teilung des Römischen Reichs im Jahr 395 verlor das Münzwesen immer mehr an Bedeutung und beschränkte sich, von wenigen Goldemissionen (Solidi, Tremissi) abgesehen, auf kleine Bronzeprägungen. 476 beseitigte Odovacar den letzten weströmischen Kaiser Romulus Augustulus (475 – 476). Im Ostreich führte Kaiser Anastasios I. (491– 518) im Jahr 498 eine Münzreform durch, mit der das eigenständige byzantinische Münzwesens eingeleitet wurde.
Die Prägung der römischen Münzen der frühen Kaiserzeit erfolgte, wie literarisch bezeugt, außer in Rom noch in Lugdunum (Lyon) und Antiochia (Syrien). Erst seit der Mitte des 3. Jh. werden die nunmehr zahlreichen Münzstätten durch Buchstaben (Anfangsbuchstaben der betreffenden Städte) gekennzeichnet, z. B. Alexandria – AL, ALE, Antiochia – A, ANT, Aquileia – AQ, Arelate (Arles) – A, ARL, CONST, Camulodunum (Colchester) – C, Colonia Agrippinensis (Köln) – CA, Constantinopolis – C, CO, CON, CONS, Herakleia – H, HE, Karthago – K, PK, Kyzikos – K, KV, Londinium (London) – LO, LON, ML (unter den Usurpatoren Carausius und Allectus), Lugdunum – L, LC, LG, Mediolanum (Mailand) – MD, MED, ML, Nikomedia – N, Ostia – OST, Ravenna – RA, RAV, RAVE, Roma – R, RM, RO, ROM, Serdica – SD, SDA, Sirmium – SIRM, Siscia – SIS, SISC, Thessalonica – TES, THES, TS, Ticinum – T, Treveri (Trier) – TR. Die Münzbuchstaben erscheinen in der Regel im Abschnitt des Rs.-Bilds. Häufig sind noch den Abkürzungen der Münzstätten noch die Buchstaben M oder SM (moneta, sacra moneta) vorangestellt. Nachgestellte Ziffern oder Zahlbuchstaben (bei östlichen Münzstätten auch griechische Buchstaben) kennzeichnen die Offizinen der jeweiligen Münzstätte (z. B. I, II, III oder P [Prima], S [Secunda], T [Tertia], Q [Quarta] oder Α, Β, Γ usw.). Neben den eigentlichen Reichsmünzen wurden von Städten in zahlreichen römischen, meistens östlichen Provinzen Bronzemünzen (selten auch Silbermünzen) geprägt, die meist nur in diesen Gebieten umlauffähig waren. Am wichtigsten unter ihnen waren die Alexandriner (→ Alexandrinische Münzen), deren Reihe kontinuierlich von Kaiser Augustus (27 v. Chr. bis 14 n. Chr.) bis Kaiser Diocletianus (284 – 305) reicht.

Römische Münzen Bild 2.png
Römisches Aes signatum um 280 – 242. Der Stier symbolisiert hier das Vieh (lat. pecus), von dem der Begriff für Geld allgemein (lat. pecunia) abgeleitet worden ist. Die Originalabmessungen betragen 171 mm x 101 mm.


Römische Münzen Bild 3.png
Römischer Gold-Stater um 216 v. Chr. mit Ianus-Kopf und Schwurszene


Römische Münzen Bild 4.png
Römischer Denar 44 v. Chr., Münzmeister M. Mettius, mit dem Kopfbild des Caesar. Es ist die erste römische Münze, die einen lebenden Menschen abbildet.


Römische Münzen Bild 5.png
Quadrans des Kaisers Claudius (41–54) mit einem Modius auf der Vorderseite und der Abkürzung SC für Senatus Consulto auf der Rückseite


Römische Münzen Bild 6.png
Sesterz des Kaisers Traianus (98 – 117). Auf der Rückseite ist eine lagernde weibliche Gestalt mit Rad dargestellt. Zusammen mit der Inschrift VIA TRAIANA wird die Propagierung des von Hadrianus veranlaßten Ausbau der Via Traiana deutlich.


Römische Münzen Bild 7.png
Antoninianus des Caracalla (als Augustus 198 – 217), Kopf des Kaisers mit Strahlenkrone, auf der Rückseite der stehende Sol mit Strahlenkrone


Römische Münzen Bild 8.png
Solidus von Crispus (Caesar 316 – 326, hingerichtet), dem ältesten Sohn von Kaiser Constantinus I. (Augustus 307 – 337) mit dem gepanzerten Caesar mit Lanze und Schild, auf der Rückseite die sitzende Concordia mit Füllhorn (Cornucopia) und Hermesstab (Caduceus)


Römische Münzen Bild 9.png
Maiorina des Caesars Decentius (350 – 353) mit zwei Victorien auf der Rückseite, die einen Kranz halten, in dem sich die Inschrift VOT V MVLT X befindet. Im Abschnitt stehen die Buchstaben AQP für die Münzstätte Aquileia (das „P“ steht für die erste Offizin (prima) dieser Münzstätte.




Sabatier

Sabatier, Pierre Justin (1792 –1869): französischer Münzforscher, mehrere Jahre in russischen Staatsdiensten, erwarb sich besondere Verdienste auf dem Gebiet der byzantinischen Numismatik. Sabatier war Mitbegründer der Sociéte française de numismatique (gegr. 1866) und Mitarbeiter an der Revue numismatique (Paris 1836ff.). Werke (Auswahlverzeichnis): Iconographie d’une collection choisi de cinq mille médailles romaines, byzantines et celtibériennes. St. Petersburg 1847; Description des médaillons contorniates. Paris 1860; Description générale des monnaies byzantines frappées sous les empereurs d’Orient depuis Arcadius jusqu’ à la prise de Constantinopole par Mahomet II. 2 Bde. Paris, London 1862 (Neudruck Leipzig 1930).



Semissis

1. Halbstück des antiken römischen und des späteren byzantinischen Solidus. Mit Semissis wurde im 3. Jh. auch schon der halbe Aureus bezeichnet.
2. Das Halbstück des Assis der deutschen Freien Reichsstadt Straßburg im 17. Jh., 1 Semissis = 1⁄2 Assis = 3 Kreuzer = 6 Straßburger Pfennige.






Skyphat

Auch Skyphatos, lat. Scyphatus (griech. skypha = Kahn, skyphos = Becher): Sammelbegriff für schüsselförmige byzantinische Münzen, die im Unterschied zu den deutschen → Schüsselpfennigen aber beidseitig beprägt sind. Schüsselförmige Solidi wurden zuerst unter Kaiser Basilios II. (976 –1025) und dem Mitregenten Konstantin VIII. (976 –1028) gemünzt. Ihre ständige Ausprägung begann unter Nikephoros III. (1078 –1081) und blieb bis zum Ende der Solidus-Prägung in Byzanz und seinen Einflußgebieten vorherrschend. Gegen Ende des 11. Jh. (1092) wurden auch schüsselförmige Elektron- und Billonmünzen (→ Aspron trachy) ausgebracht. → Byzantinische Münzen





Slatnik

(russ. soloto = Gold): Name der im 10/11. Jh. in der Kiewer Rus nach dem Vorbild byzantinischer Solidi geschlagenen ersten russischen Goldmünzen (seit Wladimir I. Swjatoslawitsch [980 –1015]).







Solidus

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Solidus des Kaisers Constantinus I. (306–337) aus der Münzstätte Herakleia. auf der Rückseite thront der Kaiser in der Mitte, links übergibt ihm die Personifikation der Res Publica den Globus als Zeichen der Weltherrschaft, rechts überreicht ihm Pax den Siegeskranz

(lat., gediegen, massiv): 1. Um 309 durch Kaiser Constantinus I. (306/324 – 337) zunächst in Trier (Augusta Treverorum), seit 324 im ganzen Römischen Reich verbreitet war. Sie war fast unlegiert und entsprach 1⁄72 römischem Pfund (Libra) = 1⁄6 Uncia = 4 Scripula = 4,548 g; 1 Solidus = 24 Siliquae (so auch als Rechnungsmünze). Wegen ihres hohen Feingehalts, der bis in die Endphase des Byzantinischen Reichs (14/15. Jh.) fast unverändert blieb (leichte Schwankungen gab es unter Kaiser Michael VII., 1071–1078) hatten sie starken Einfluß auf die späteren Goldprägungen der angrenzenden Länder, zunächst sichtbar in den germanischen Reichen der Völkerwanderungszeit als eigene Goldmünze. Unverkennbar ist auch die Wirkung des Solidus (unter der Bezeichnung → Bézant d’or) auf die Wiederentstehung der Goldwährung in Florenz und Venedig, später in ganz West- und Mitteleuropa. Teilstücke des Solidus waren der Semis oder Semissis (1⁄2 S.) und der Triens oder → Tremissis (1⁄3 S.), der wiederum das direkte Vorbild für die Goldprägungen der Ost- und Westgoten, Burgunder, Langobarden und Merowinger war. Im Weströmischen Reich entstanden auch leichtere Solidi zu 21 und 20 Siliquae.
2. In Urkunden des Mittelalters wird mit Solidus der → Schilling als Rechnungsmünze zu 1⁄20 Pfund bezeichnet.







Stauraton

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Byzantinisches Reich, Johannes V. (1341 – 1391), Stauraton

Auch Stavraton: byzantinische Silbermünze des 14./15. Jh., 1 Stauraton = 1⁄2 Histamenon.






Stufenkreuz

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Stufenkreuz auf der Rückseite eines byzantinischen Solidus von Kaiser Konstantin IV. Pogonatus (668 – 685), Münzstätte Konstantinopel

Ein lateinisches Kreuz mit Stufenuntersatz, der aus mehreren treppenartig angeordneten Balken besteht. Das Stufenkreuz kommt u. a. als Rs.-Bild auf zahlreichen → Byzantinischen Münzen vor. → Kreuz




Tetarteron

(Plural Tetartera), Tetarteron nomisma (von griech. tetartos = ein Viertel): 1. Um 963 in der Regierungszeit des Kaisers Nikephoros II. Phokas (936 – 969) eingeführte byzantinische Goldmünze, die um ein 1⁄4 Tremissis (0,759 g) leichter als die Standard-Goldmünze, der → Histamenon , war.
2. Nach der Münzreform unter Kaiser Alexios I. Komnenos (1081–1118) Bezeichnung der kleinen byzantinischen Kupfermünze, die den Follis ablöste.







Thrymsa

Thrymsa.png
Angelsächsischer Thrymsa des 7. Jahrhunderts mit einer Nachbildung des byzantinischen Stufenkreuzes

(von lat. Tremissis = Drittelsolidus): frühmittelalterliche angelsächsische Goldmünze des 7. Jh. nach dem Vorbild des spätrömischen bzw. byzantinischen Tremissis (bei einigen Typen wird sogar das byzantinische → Stufenkreuz nachgeahmt). Die numismatische Forschung ist sich nicht sicher, ob es sich bei den Thrymsa um Shillings oder Unterteilungen des Shillings handelt. Ebenso unklar ist die Bewertung der Thrymsa, weil der Goldgehalt kontinuierlich bis auf eine Goldfeinheit von 200⁄1000 bei den späten Exemplaren abgesunken ist.







Trachy

Aspron trachy






Tremissis

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Römisches Reich, Eugenius (392–394), Tremissis o. J. mit Victoria auf der Rückseite

(lat., Drittel, Plural Tremisses): spätrömische und byzantinische Goldmünze im Gewicht von 1 1⁄2 Scripulum = 1,705 g (ab 383 dann 1 1⁄3 Scripulum = 1,516 g), wahrscheinlich seit 283/84 unter Magnus Maximus (383 – 388) ausgeprägt, 1 Tremissis = 1⁄3 Solidus. Unter Valentinianus I. (364 – 375) wurde das Nominal häufiger, unter Theodosios (379 – 395) allgemein gebräuchlich und ist dann bis in das 7. Jh. im Umlauf gewesen. Bei den germanischen Stämmen war der Tremissis die fast ausschließlich geprägte Goldmünze, Rs. meist Victoria, später Kreuz im Kranz. Die Germanen der Völkerwanderungszeit ahmten den Tremissis vielfach nach. Wandalen und Ostgoten hielten sich an das römische Vorbild; Franken, Burgunder, Westgoten und Langobarden entstellten das kaiserliche Brustbild der Vs. und die Victoria auf der Rs., die Umschrift verwilderte zu einer Reihe von Strichen. Im Reich der Franken unter den merowingischen Königen und im Reich der Westgoten in Spanien wurde der T. mit Namen und Porträt des betreffenden Herrschers bis in das 7. bzw. frühe 8. Jh. geschlagen. Im Byzantinischen Reich wurde der Tremissis noch bis in das 9. Jh. geprägt. Die sprachliche Gleichsetzung des Tremissis mit dem → Triens in manchen Händlerkatalogen ist nicht korrekt.

Tremissis Bild 2.png
Westgoten, Suinthila (621 – 631), Tremissis, Münzstätte Cordoba








Victoria

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Die auf einem Brustpanzer sitzende Victoria auf der Rückseite eines Sesterz’ des Geta (198/209 – 212). Sie schreibt auf den kaiserlichen Ehrenschild (clupeus virtutis).

Römische Siegesgöttin, vergöttlichte Personifikation des militärischen Sieges. In der frühen Kaiserzeit wurde sie als Victoria Augusta sehr eng mit der Person des Kaisers als oberstem Befehlshaber verbunden und erschien seitdem häufig als Rs.- Motiv (bis in byzantinische Zeit) stehend oder thronend auf den Münzen. Ihre Attribute waren Kranz, Palmzweig (Siegespalme) und Trophäe. Die griechische Entsprechung der Victoria war → Nike. Abb. → Fehrbelliner Siegestaler



Wertangabe

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Die Wertzahl 42 auf diesem 6-Pfennig-Stück 1677 der Grafschaft Bentheim-TecklenburgRheda bedeutet, daß theoretisch 42 dieser Münzen auf einen Taler entfallen. Es handelt sich damit um das Halbstück des Tecklenburger Schillings zu 1⁄21 Taler

Angabe auf Münzen oder Geldscheinen, die aus der Währungsbezeichnung und der Nenngröße (→ Nominal) besteht, z. B. 5 Pfennig oder 2 Euro. Die Wertangabe ist allgemein üblich, wenn Münzen in einer mehrstufigen Nominalreihe ausgegeben werden. In der griechischen Antike waren Wertangaben nur selten auf den Münzen vorhanden. manchmal gab es indirekte, z. B. durch die Anzahl bestimmter Bildelemente oder Punkte (so auch bei den römischen → Aes grave). Entscheidend für die Unterscheidung zwischen verschiedenen Nominalen waren die Größe der Münzen und die verwendeten Münzbilder. Bei den Denaren der Römischen Republik wurde das Verhältnis zum As mit der Wertzahl X (kurzfristig XVI) angegeben (beim Quinar als Halbstück analog V). Der As der Republik zeigte die Wertzahl I, der Dupondius analog die Wertzahl II, der seltene Tressis die Wertzahl III und der nur in einem Exemplar bekannte Quincussis (5 Asses) die Wertzahl V. Bei den Uncia-Nominalen wurde der Nominalwert durch Wertkugeln verdeutlicht: 1 Uncia = 1 Wertkugel, 2 Unciae (Sextans) = 2 Wertkugeln, 3 Unciae (Quadrans) = 3 Wertkugeln, 4 Unciae (Triens) = 4 Wertkugeln, 5 Unciae (Quincunx) = 5 Wertkugeln. Bei den byzantinischen Bronzemünzen gibt es eine ganze Reihe von Buchstaben-Wertzahlen.
Im Mittelalter waren Wertzahlen kaum notwendig, weil über Jahrhunderte nur ein Nominal, der Pfennig (Denar), kursierte. Das Halbstück wurde durch Zerschneiden der Pfennige hergestellt, geprägt wurden, Obole nur selten.
Bei den deutschen Münzen der Neuzeit wurden seit der zweiten Hälfte des 16. Jh. die Anzahl der Pfennige (z. B. beim Dreier die „3“ im Reichsapfel) bzw. Kreuzer oder das Verhältnis zum (Rechnungs-)Taler angegeben. Der Halbgroschen erhielt dabei die Wertzahl „48“, der Groschen die „24“ und der Doppelgroschen die „12“ (plus EINEN REICHSTHALER in abgekürzter Form). Bei Großsilbermünzen beziehen sich die Zahlen „24“ auf die Anzahl der Groschen auf den Taler (Halbtaler mit „12“, Vierteltaler mit „6“) bzw. in Norddeutschland „32“ (nach 1622 auch „48“) auf die Anzahl der Schillinge pro Taler, analoge Zahlen „16“ und „8“ dann bei den Teilstücken (→ Taler). Auf norddeutschen Kleinmünzen erscheinen Wertzahlen von „192“ (Dreiling, Witten), „64“ (Sechsling), „32“ (Schilling) und „16“ (Doppelschilling - in der Vorkipperzeit auch 18 1⁄2 - , ab 1622 Düttchen zu 3 Schilling) im Reichsapfel und geben damit die Anzahl der betreffenden Stücke auf den Taler an. Die Wertzahl „84“ im Reichsapfel z. B. von süddeutschen und fränkischen Scheidemünzen bezieht sich auf das Verhältnis zum Gulden. Erst mit der Einführung des → Zinnaischen Münzfußes 1668 wurden auf den Talerteilstücken die Wertzahlen 2⁄3, 1⁄3 und 1⁄6 oder der Wert in Guten bzw. Mariengroschen auf den Münzen angegeben.
Prägungen des 18./19. Jh. im Konventionsfuß geben auf den Münzen den Münzfuß an (eine bestimmte Anzahl der Münzen auf die Feine Mark), beim Konventionstaler z. B. X EINE FEINE MARK). Pistolen, Dukaten, Goldgulden und Taler wurden ursprünglich nicht bezeichnet. Erst im 18. Jahrhundert sind die Namen manchmal vorhanden, z. B. beim preußischen Reichstaler. Im 19. Jh. wurde dann die Wertangabe auf den Münzen zur Norm.

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Reichstaler 1705 der Stadt Köln auf die Huldigung an Kaiser Josef. I. Im Abschnitt der Rückseite steht ausdrücklich REICHS – FUES und der Bruch 8⁄9, also die Angabe des Münzfußes: 8 Stück aus der rauhen und 9 Stück aus der feinen Mark. Damit machte die Stadt deutlich, daß es kein Taler nach Burgundischem Fuß war.






Zwillingsfadenkreuz

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Zwillingsfadenkreuz auf der Rückseite eines Long-cross-Pennys von König Heinrich (Henry) III. von England (1216 – 1272)

Kreuz, dessen Längs- und Querbalken durch Doppellinien begrenzt werden. Das Zwillingsfadenkreuz ist mittelalterlichen englischen Münzen (Sterlinge) eigentümlich und sollte vermutlich das Zerschneiden der Münze in 1⁄2- und 1⁄4- Stücke erleichtern.